ProNATs e.V. Verein zur Unterstützung arbeitender Kinder und Jugendlicher

Pressemitteilungen zum Welttag der arbeitenden Kinder und Jugendlichen

Der Welttag der arbeitenden Kinder und Jugendlichen wird jedes Jahr am 9. Dezember gefeiert. Er wurde 2006 auf Initiative arbeitender Kinder und Jugendlicher etabliert, die seither diesen Tag nutzen, um auf ihre Anliegen hinzuweisen – auch im Sinne einer Kritik an dem internationalen Tag gegen Kinderarbeit am 12. Juni unter Schirmherrschaft der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Dieses Jahr veröffentlicht ProNATs eine eigene Pressemitteilung und übersetzt eine Pressemitteilung von MOLACNATS aus dem Spanischen.

Mitglieder des Task Force für einen Jugendbeirat beim BMZ.

Mitglieder des Task Force für einen Jugendbeirat beim BMZ.

Deutsche Bundesregierung verachtet die Rechte arbeitender Kinder – Pressemitteilung von ProNATs e.V. zum Welttag der arbeitenden Kinder und Jugendlichen am 9.12.2019

Am 9. Dezember 2019 jährt sich zum 23. Mal der Tag, an dem arbeitende Kinder und Jugendliche aus Afrika, Asien und Lateinamerika in Kundapur (Indien) erstmals gemeinsam mit eigenen Forderungen an die Öffentlichkeit traten. Sie forderten vor allem das Recht, in Würde zu arbeiten und Zeit zum Lernen, Spielen und Ausruhen zu haben.

Diese Rechte werden weiterhin Tag für Tag verletzt. Sie werden nicht nur verletzt, weil Millionen von Kindern weiterhin wirtschaftlich ausgebeutet werden, sondern auch weil Regierungen und internationale Organisationen wie die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) sich bis heute weigern, den arbeitenden Kindern zuzuhören und ihnen zu ermöglichen, sich an den für sie lebenswichtigen Entscheidungen zu beteiligen. Sie wollen nicht zur Kenntnis nehmen, dass sie mit dem pauschalen gesetzlichen Verbot der Kinderarbeit die arbeitenden Kinder in noch größere Schwierigkeiten bringen, die bis zur Kriminalisierung reichen. Indem die Arbeit der Kinder illegalisiert wird, können die Kinder bei der Arbeit keinerlei Schutz- und Mitbestimmungsrechte in Anspruch nehmen. Damit wird ihnen das in der UN-Kinderrechtskonvention zugesicherte Recht, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt zu werden, ins Gegenteil pervertiert.

Das jüngste Beispiel für die Verletzung der Rechte arbeitender Kinder geht auf das Konto der deutschen Bundesregierung. Auf einer Veranstaltung, die unter dem Motto „Wir stoppen Kinderarbeit“ am 28. November 2019 im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Berlin stattfand, durften zwar auch einige Kinder aus verschiedenen Teilen der Welt teilnehmen, ihnen wurde jedoch wieder einmal nur eine marginale Rolle zugebilligt.

Während Politiker_innen und Verbandsvertreter_innen lange Festreden gegen die Kinderarbeit hielten, kamen zwei Kinder aus Peru und den Philippinen, die sich an der internationalen Kampagne „Time to talk“ beteiligt hatten, nur für wenige Minuten zu Wort. In ihrem Beitrag sagte das Mädchen aus Peru:

„Wir wollen glücklich sein und dass unsere Freiheit für eigene Entscheidungen und Mitwirkung respektiert wird, wir wollen spielen, uns ausruhen, studieren und unter guten Bedingungen arbeiten, ohne zu gefährlicher Arbeit gezwungen zu sein. Ich bin Teil von MANTHOC, wo wir daran gearbeitet haben, unsere Rechte wahrzunehmen, uns zu organisieren und so unsere Lebensqualität zu verbessern. 'Time to talk' hat auch zu meinem Wissen beigetragen, um weiterhin nach einer gerechteren, humaneren und integrativen Gesellschaft zu suchen. Dies ermöglicht mir ein Schutzsystem, in dem ich als Akteurin mein Recht auf Beteiligung auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene ausüben kann.“

Zwei Jugendliche, die der Task Force für einen Jugendbeirat des Ministeriums angehören, wurden sogar daran gehindert, ihre Stellungnahme vorzutragen. Sie konnten sich erst nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung, als die Mikrofone bereits abgeschaltet waren, unter Protest das Wort verschaffen (Entwicklungsminister Gerd Müller entschuldigte sich damit, er habe davon nichts gewusst). In ihrem Beitrag bestanden die Jugendlichen denn auch darauf, nicht nur als billiges Aushängeschild für „Kinder- und Jugendpartizipation“ zu dienen, sondern an den Entscheidungen der Regierung mitzuwirken, bevor sie getroffen werden. Ihre Originalrede:

Esteemed Minister Müller,
Esteemed guests.
We are here today as members of the task force, which was founded to create a BMZ Youth Council, as well as youth from projects in Palastine, Lebanon, Peru, Guatemala, Lesotho, Rwanda, Sambia, Madagaskar and Indonesia. Thank you for the opportunity to speak.
7.6 billion people live on this planet, 2.3 billion of us are children, in states of the global south 70 percent are children and youth. Dear guests, please look around - how many children do you see? Maybe 10 of 200 people who are invited and present.
What would happen if youth were included in every major decision-making process, especially in those that impact young people directly? Would children’s rights be respected? Would we have free education for every child? Would policies aimed at combating global issues, such as climate change and migration, be implemented? Would gender equality be achieved? Would corruption and injustice be defeated? We don’t know yet, because we can’t know. Even today, 30 years after the convention of the rights of the child was signed, the youth is not well represented and youth participation is still far from being institutionalized.
Therefore we appreciate BMZ’s efforts for youth participation. By encouraging us to create a youth council in a governmental ministry, the ministry sets a prime example nationally and internationally. Although a lot of work still lays ahead, we truly hope that other ministries and institutions will follow this example.
As the ministry’s Youth Council, we demand to be an integral part of the ministry with the right to take part in decision-making processes and the right to express our opinion. We further demand a continuous cooperation with youth activists in the ministry’s partner states. This includes that the BMZ strives to promote and facilitates youth participation in these states.
Demanding childrens rights means demanding generation justice. Hence: stick to the Paris Agreement, protect our mother earth. We will stay longer on this planet than you do. Think about the present generation who suffers from climate change. Think in the future, but act now!
We have the right to decide on our future. We claim our right. Youth participation is beneficial for both sides and should be seen as an opportunity. Since children from different countries have different needs, we must be asked what we want, because we know it best.
Taking a look into the close future, the BMZ should establish a special initiative for Children Rights, including a stronger budget and program explicitly on children's rights and participation.
The future is now. Let's make it happen!

Wir nehmen den Internationalen Tag der arbeitenden Kinder zum Anlass, um erneut das Recht der arbeitenden Kinder und aller Kinder der Welt einzufordern, in allen sie betreffenden Angelegenheiten mit entscheiden zu können. Es muss endlich Schluss damit sein, Kinder nur zur Dekoration von Festveranstaltungen auszunutzen und zu entwürdigen!

Berlin, 9. Dezember 2019


 

Erklärung von MOLACNATs – der Bewegung der arbeitenden Kinder und Jugendlichen Lateinamerikas und der Karibik zum 9. Dezember – dem Internationalen Tag der arbeitenden Kinder

Die Bewegung der arbeitenden Kinder Lateinamerikas und der Karibik (MOLACNATs) sendet brüderliche, schwesterliche und solidarische Grüße an alle arbeitenden Kinder der Welt.

Der Kapitalismus ist die Hauptursache all der Probleme, unter denen wir arbeitenden Kinder und unsere Familien leiden. In der gegenwärtigen Gesellschaft raubt er uns die Mittel zum Leben und nötigt uns eine extreme Ausbeutung auf.

Wir, die arbeitenden Kinder aus mehr als 40 Ländern, klagen die Übergriffe, Misshandlungen und Verletzungen unserer Menschenrechte an. Hundertausende arbeitende Jungen und Mädchen sehen sich abgehängt und in einem Zustand der völligen Verlassenheit und des Vergessens.

Offensichtlich ist die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in ihrem Kampf für die Abschaffung der Kinderarbeit umfassend gescheitert, da sie weder die Ursachen von Ausbeutung und Ungleichheit angreift, noch bereit ist, den Stimmen der arbeitenden Kinder zuzuhören.

Mit großer Überzeugung setzen wir uns dafür ein, dass wir alle noch stärker zusammenhalten und mit Kraft für die Erfüllung unserer Rechte kämpfen. Auf diese Weise werden wir erreichen, in Würde zu arbeiten, uns zu bilden, uns zu erholen, eine kostenfreie und qualifizierte Gesundheitsversorgung zu erhalten, alles in allem einen Ort, wo wir unter menschenwürdigen Bedingungen leben können. Dies ist, was uns als arbeitenden Jungen und Mädchen in der ganzen Welt zusteht.

Asunción, Paraguay, 9. Dezember 2019

Aktualisiert: 15.12.2019