ProNATs e.V. Verein zur Unterstützung arbeitender Kinder und Jugendlicher

Bolivien: Präsident Evo Morales sagt den arbeitenden Kindern und Jugendlichen Unterstützung zu

Wie von ProNATs berichtet, hat die Organisation der arbeitenden Kinder Boliviens (UNATSBO) nach einer umfassenden Konsultation arbeitender Kinder in verschiedenen Teilen des Landes einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der sie bei ihrer Arbeit besser schützen soll. Statt die Arbeit von Kindern bis zu einem Mindestalter (in der Regel 15 Jahre) pauschal zu verbieten, wie es in den meisten Gesetzen zur Kinderarbeit der Fall ist, differenziert der Gesetzentwurf zwischen verschiedenen Formen und Bedingungen der Arbeit und sieht Regelungen vor, wie die Kinder in Würde arbeiten und vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt werden können. Obwohl sich der Gesetzentwurf auf die neue bolivianische Verfassung beruft, in welcher die Arbeit von Kindern unter bestimmten Voraussetzungen ein bildender Wert zuerkannt wird, fand die UNATSBO-Initiative vor allem im Arbeitsministerium, dessen Etat u.a. von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) finanziert wird, bisher wenig Verständnis. Dagegen fanden die Kinder nun überraschend Unterstützung vom bolivianischen Präsidenten Evo Morales.

Kinder und Jugendliche der bolivianischen Bewegung UNATSBO freuten sich über die Einladung des Präsidenten Evo Morales in den Regierungspalast.

Die Kinder und Jugendlichen wurden am 12. April, dem bolivianischen Tag des Kindes, zu einem Frühstück eingeladen.

Die Gäste ließen es sich nicht entgehen, ein Bild mit dem Gouverneur des Depto. La Paz zu knipsen.

Bei einem Treffen im Regierungspalast, das am 12. April, dem bolivianischen Tag des Kindes stattfand, zollte Evo Morales den arbeitenden Kindern Anerkennung für ihr Verantwortungsgefühl und sprach sich ausdrücklich gegen ein generelles Verbot von Kinderarbeit aus. Ausbeutung, so Morales, sei natürlich in keinem Fall zu akzeptieren, müsse aber auf andere Weise bekämpft werden. In seiner Ansprache lobte er die Kinder, die vor allem auf dem Land, sobald sie laufen könnten, beim Kochen, Feuerholz holen oder anderen Tätigkeiten in ihren Familien mithelfen oder gar mit für ihren Unterhalt sorgen. Dabei erinnerte er sich an seine eigene Kindheit, als er seiner Familie mit dem Hüten von Vieh und Feldarbeit half, in Zeiten großer Trockenheit und Armut über die Runden zu kommen. Er zeigte sich auch beeindruckt von einem Gespräch mit einem nicht einmal zehnjährigen Schuhputzer. Während der Junge dem Präsidenten die Schuhe putzte, hatte er ihm berichtet, dass er mit dem so verdienten Geld seine kleineren Geschwister versorge und ihnen eine bessere Ausbildung ermögliche. Morales sah in dem Jungen ein Beispiel dafür, dass die Kinder, die sowohl arbeiten als auch den Wert der Bildung schätzen, am besten lernten, mit den täglichen Problemen umzugehen und im Leben voranzukommen.

Es sei „ein besonderer Tag für viele Kinder, insbesondere die arbeitenden Kinder“ gewesen, erklärte ein Vertreter von UNATSBO, „dass der Präsident zum ersten Mal aus seinem Leben (als Kind) berichtete. Es war auch keine Rede, in der wie üblich die Ausrottung der Kinderarbeit beschworen wurde. Es ist ein sehr großer Schritt voran für uns arbeitende Kinder und alle, die wie wir in Würde arbeiten wollen und gegen die Ausbeutung sind.“

Die Organisation der arbeitenden Kinder sieht sich durch die Worte des Präsidenten ermutigt, für ihren Gesetzentwurf doch noch mehr Zustimmung zu finden. Sie hofft nun, dass die Beratung des neuen Arbeitsgesetzes nicht weiter auf die lange Bank geschoben wird und ihre Vorschläge von den Abgeordneten endlich aufgegriffen werden. Von einigen hatten sie ebenso wie von einigen zivilgesellschaftlichen Organisationen (darunter auch terre des hommes) in den letzten Monaten bereits Unterstützung erhalten.

Auch auf lokaler Ebene konnten die arbeitenden Kinder kleine Erfolge verbuchen. In Potosi versprach die Stadtverwaltung, sich um die Umsetzung der von der regionalen Bewegung arbeitender Kinder im Dezember vergangen Jahres eingereichten Forderungen zu kümmern. Über die Ausstellung von Arbeitsausweisen und eine kostenlose Gesundheitsversorgung müssen die staatlichen Stellen nun ernsthaft verhandeln. Und die Nutzung der Parks und öffentlichen Anlagen in der Bergwerksstadt soll für erwerbstätige Kinder auf jeden Fall künftig kostenfrei sein.

Aktualisiert: 23.08.2016