ProNATs e.V. Verein zur Unterstützung arbeitender Kinder und Jugendlicher

Interview mit Rodrigo

Der 16-jährige Delegierte Rodrigo wurde beim VIII. Treffen der Bewegung arbeitender Kinder Lateinamerikas und der Karibik (MOLACNATs) von ProNATs-Mitgliedern interviewt.

Rodrigo Giménez, 16 Jahre, Delegierter von CONNATS aus Paraguay.

Ich bin Rodrigo Giménez, ich bin von der nationalen Koordination der arbeitenden Kinder und Jugendlichen aus Paraguay, CONNATS. Ich arbeite im Zentrum meiner Stadt „Ciudad del Este“, und ich bin 16 Jahre alt. Ich arbeite in einem alternativen Transportunternehmen, bei dem meine Aufgabe ist, Passagiere für den Transport aufzutreiben. Das heißt dafür sorgen, dass die Menschen ein-und aussteigen, diese Art von Arbeit.

Seit wann bist du in der Bewegung aktiv?

In der Bewegung und der Organisation in Paraguay bin ich seit ungefähr acht Jahren, aber seit etwa einem Jahr bin ich in der  Verantwortung, nationaler Delegierter zu sein.  Ich wurde gewählt, um unsere Bewegung in MOLACNATS zu repräsentieren.

Welchen Vorteil hat es deiner Meinung nach, dass es MOLACNATs, die lateinamerikanische Bewegung arbeitender Kinder und Jugendlicher, gibt?

Wie für jede Bewegung ist es wichtig, dass sie national oder international wirkt, weil sie auf diese Weise einen höheren Bekanntheitsgrad erhält und auf internationalem Niveau die Lebensrealitäten der arbeitenden Kinder in ganz Lateinamerika sichtbar gemacht werden. Des Weiteren ist eine lateinamerikanische Bewegung sehr wichtig, weil auf den Treffen der Bewegung MOLACNATS Aktionspläne sowie Lösungen und viele Dinge für die Bewegung erarbeitet werden.

Auf dem diesjährigen Treffen wurde die bisherige Struktur des Sekretariats, welches MOLACNATS repräsentiert, modifiziert. Könntest du diesen Aspekt kommentieren?

In den letzten drei Jahren, von 2008 bis 2011,  befand sich das Sekretariat in Venezuela, bei CORENATS. Auf diesem Treffen wurde jetzt eine neue Struktur vorgeschlagen, da MOLACNATS viele Verpflichtungen hat. Damit es nicht nur in der Verantwortung von einer Person, einem Delegierten liegt, wurde folgende Struktur entworfen:  Das Sekretariat wird zukünftig aus einem Exekutivsekretär (Anm. d. Red.: Diese Person gehörte bisher der Leitung von MOLACNATs an und ist gerade 18 Jahre alt geworden) und einem „Colaborador“ (erwachsener Mitarbeiter)  zusammengesetzt sein. Desweiteren werden vier NATs  dem Sekretariat angehören und die beiden unterstützen. Auf diese Weise wird man besser arbeiten können und die Verantwortung bleibt nicht an einer Person hängen. So wurde es vorgeschlagen und so wurde es von der Mehrheit entschieden.

Wie kam es dazu, dass die Wahl erneut auf Venezuela gefallen ist?

Es wurde entschieden, dass das Sekretariat weiterhin hier ansässig ist, weil die anderen Länder nicht die Voraussetzungen mitbringen und sich teilweise in einer schwierigen Lage befinden. Und weil CORENATS in den vergangenen drei Jahren gute Arbeit geleistet hat, wurde vorgeschlagen und entschieden, dass das Sekretariat in Venezuela bleibt. Auch weil  sie sich derzeit in einer positiven Situation befinden.

Außerdem wurde die Wahl für das nächste lateinamerikanische Treffen durchgeführt, und es wurde entschieden, dass es in Paraguay stattfinden wird. Zunächst gab es viele Vorschläge wie Kolumbien, Guatemala, Peru, Venezuela und Paraguay. Diese fünf Vorschläge. Und da in Peru bereits mehrere Treffen stattgefunden haben und das letzte Treffen in Kolumbien war und in Venezuela dieses Jahr, so blieben als Vorschlag Guatemala und Paraguay übrig. Und aufgrund der Entscheidung von allen hier anwesenden Bewegungen fiel die Wahl auf Paraguay. So haben wir, die Paraguayer, entschieden, die Verantwortung anzunehmen, und wir hoffen, dass es uns gut gelingen wird.

Konntet ihr als nationale Delegierte Paraguays die endgültige Entscheidung bereits treffen oder werdet ihr euch nach eurer Rückkehr noch mit euren „Compañeros“ beraten?

Die Tatsache, dass wir alle als Delegierte zu diesem Treffen gekommen sind, bedeutet auch, dass wir gekommen sind, um Entscheidungen zu treffen. Denn mit diesen Voraussetzungen sind wir angereist, weil wir für unsere Bewegungen arbeiten. Wir haben also die Verantwortung und die Herausforderung, das Treffen in Paraguay durchzuführen, angenommen. Es ist zum einen eine große Verantwortung, zum anderen aber auch nicht so groß. Denn wenn man hier ein Treffen wie dieses organisieren konnte, warum sollten wir das dann nicht auch können, nicht wahr? Und der administrative Teil wird vom Sekretariat ausgeführt, und wir sind für den logistischen Teil verantwortlich. Aber wir müssen auch finanzielle Mittel auftreiben, und so weiter.

Wirst du auch teilnehmen?

Selbstverständlich, das ist die Verantwortung eines Delegierten. Ich werde immer in der Organisation der Bewegung weitermachen. Weil ich die Verantwortung angenommen habe, muss ich meine Bewegung weiterhin unterstützen und begleiten.

Kannst du kurz die Ziele, die ihr euch für die kommenden drei Jahre gesetzt habt, erläutern?

Wir haben in Gruppen erarbeitet, was wir in den nächsten drei Jahren machen werden. Wir haben uns also damit beschäftigt, was wir in diesem ersten Jahr machen werden. Zunächst wird das die Fortbildung von Gruppenleiter_innen sein. Im ersten Jahr wird mit den Kindern und Jugendlichen auf dem Land gearbeitet. Im zweiten Jahr werden es die Kinder und Jugendlichen in indigenen Dörfern sein. Und im dritten Jahr mit den Kindern und Jugendlichen, die in fremden Haushalten arbeiten. Das ist der Vorschlag, und es fehlt nur noch, einige Dinge zu definieren. Es wird noch erarbeitet werden, welche Aktivitäten wir wann und wie durchführen werden. Es fehlt also noch die detaillierte Planung.

Ich wünsche euch viel Erfolg bei allem und bedanke mich bei dir für das Interview. Möchtest du noch etwas hinzufügen?

Was ich noch sagen möchte ist, dass wir sehr glücklich sind, bei diesem Treffen zu sein. Denn hier bereichern wir uns als Delegierte ebenso wie wir unsere Organisationen bereichern, im Sinne von Fortbildung und im Sinne von Verantwortung. Vielen Dank. Wir erwarten euch ebenfalls in Paraguay, ihr seid eingeladen, ebenfalls an dem Treffen teilzunehmen.

Vielen Dank!

Rodrigo fügt in Guaraní[1] hinzu: „Wir sind sehr glücklich, bei diesem Treffen dabei zu sein. Ich vertrete hier all meine arbeitenden „Compañeros“, an welchem Ort im Land sie auch arbeiten, und bringe hier ihre Stimme ein. Und ich werde ihnen das, was ich hier gelernt habe, mit zurück bringen.“

 


[1] Guaraní ist neben Spanisch Amtssprache Paraguays

Aktualisiert: 23.08.2016