ProNATs e.V. Verein zur Unterstützung arbeitender Kinder und Jugendlicher

„Für ein Leben und eine Arbeit in Würde“. VIII. Treffen der Bewegung arbeitender Kinder Lateinamerikas und der Karibik (MOLACNATs)

Unter dem Motto „Für ein Leben und eine Arbeit in Würde“ („Por la Dignificación de Nuestra Vida y Trabajo“) fand vom 1. bis 7. September 2011 in Barquisimeto, Venezuela, das VIII. kontinentale Treffen der Bewegung arbeitender Kinder und Jugendlicher Lateinamerikas und der Karibik (MOLACNATs) statt. ProNATs war mit zwei Vertreter_innen anwesend.

Das Abschlussfoto mit vielen Teilnehmer_innen des VIII. Kontinentaltreffens.

Die Delegierten simulierten eine Interviewsituation.

Die Bewegungen der einzelnen Länder präsentierten zu Beginn des Treffens die Lage, Hindernisse und Fortschritte ihrer Organisationen.

Die Eröffnung des Treffens wurde gemeinsam gefeiert.

Zum ersten Mal haben sich Vertreter venezolanischer Gewerkschaften mit den Kinderbewegungen getroffen.

An dem Treffen nahmen gewählte Delegierte aus Argentinien, Bolivien, Ecuador, Guatemala, Kolumbien, Mexiko, Paraguay, Peru und Venezuela teil.  Sie waren zwischen 11 und 17 Jahre alt, etwa je zur Hälfte Mädchen und Jungen. Die Afrikanische Bewegung arbeitender Kinder und Jugendlicher (MAEJT) hatte eine Grußbotschaft geschickt.

Die Delegierten berichteten sich gegenseitig über die Situation der arbeitenden Kinder in ihren Ländern und analysierten die Erfolge und Schwierigkeiten ihrer Bewegungen. Besonders intensiv setzten sie sich mit  den in den letzten Jahren verstärkten Maßnahmen zur „Ausrottung der Kinderarbeit“ auseinander, die für viele arbeitende Kinder mit Diskriminierung, Unterdrückung und Kriminalisierung einhergehen, also ihre Menschenrechte massiv verletzen. Die Delegierten betonten demgegenüber ihr Recht, in Würde zu arbeiten, und berichteten von zahlreichen Initiativen, die auf eine Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen, bessere Bildungsmöglichkeiten und von ihnen selbst organisierte Kooperativen gerichtet sind.

Die lateinamerikanische Bewegung arbeitender Kinder und Jugendlicher besteht seit nunmehr fast 30 Jahren. Die alle drei bis vier Jahre stattfindenden kontinentalen Treffen sind ein wichtiges Verbindungsglied zwischen den Bewegungen einzelner Länder und Regionen. Auf ihnen vergewissern sich die arbeitenden Kinder ihrer Gemeinsamkeiten und ihrer gegenseitigen Solidarität. Obwohl keine_r der Delegierten an einem vorigen Treffen teilgenommen hatte und bei der Entstehung der Bewegung noch nicht einmal geboren war, identifizierten sie sich mit deren Geschichte und sahen sich als Teil davon.    

Während ihres Treffens kamen die Delegierten immer wieder hautnah mit der „bolivarischen Revolution“ in Berührung, die das gesellschaftliche und politische Leben in Venezuela prägt. Das Kultur- und Freizeitzentrum, in dem sie sich versammelten, war zuvor von einer Gruppe Jugendlicher besetzt und für das Treffen zur Verfügung gestellt worden. Zur Eröffnung waren zahlreiche Kinder und Jugendliche und einige Erwachsene aus Barrios (Armenvierteln) von Barquisimeto, einer Zweimillionenstadt, erschienen, um mit den Delegierten „die Revolution zu feiern“.  Erstmals kam es zu einer solidarischen Diskussion mit progressiven Gewerkschaftsvertretern. Ein nicht-kommerzieller lokaler Fernsehkanal ließ die Delegierten in eigener Regie eine ganzstündige Sendung gestalten, in der sie ihre Bewegung vorstellen und von dem Treffen berichten konnten (siehe Link unten).

In der Abschlusserklärung des Treffens wird die Absicht bekräftigt, die Verbindung mit Kindern in ländlichen Regionen, indigenen Communities und Kindern, die als Hausbedienstete arbeiten, zu verstärken. Mit jeder dieser Gruppen sollen in den folgenden drei Jahren gemeinsame Kampagnen veranstaltet werden, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen und ihre eigene Organisierung voranzubringen. Außerdem soll die bestehende Internetplattform der lateinamerikanischen Bewegung (siehe Link unten) intensiver genutzt werden. Am Ende des Treffens wurde ein neues Sekretariat gewählt, das aus einem Exekutivsekretär (er gehörte bisher der Leitung an und wurde gerade 18 Jahre alt), einem erwachsenen Mitarbeiter („Colaborador“) und vier weiteren Kindern besteht. Das Sekretariat von MOLACNATs wird sich weiterhin in Venezuela befinden. Das nächste lateinamerikanische Treffen soll 2014 in Paraguay stattfinden. 

In einer parallel stattfindenden Veranstaltung diskutierten die mit den Kindern angereisten erwachsenen Begleiter_innen – unter ihnen einige ehemalige Aktivist_innen der Kinderbewegung – und einige Gäste aus Peru, Italien, Frankreich und Deutschland, darunter zwei Vertreter_innen von ProNATs, in welcher Weise die Unterstützung der Kinderbewegungen verstärkt werden kann. Um die Zusammenarbeit über die nationalen Grenzen hinaus zu intensivieren, wurde die Gründung einer „Lateinamerikanischen Bewegung der Mitarbeiter_innen der arbeitenden Kinder“ (MOLACOLNNATs) beschlossen und ein Aktionsplan verabschiedet.

Das MOLACNATs-Treffen wurde durch finanzielle Zuschüsse von terre des hommes Deutschland, Save the Children Canada und einiger lokaler Organisationen ermöglicht.

 

Aktualisiert: 23.08.2016