ProNATs e.V. Verein zur Unterstützung arbeitender Kinder und Jugendlicher

ILO und IPEC-Konferenz am 10. und 11. Mai 2010 in Den Haag

Die ILO (International Labour Organization) und IPEC (International Programme on the Elimination of Child Labour) laden am 10. und 11. Mai 2010 zu einer internationalen Großkonferenz in Den Haag ein, um eine "road map" zur Abschaffung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit bis 2016 zu verbreiten. Auf der 500 Personen zählenden Teilnahmeliste sind bloß die arbeitenden Kinder und Jugendlicher selber vergessen worden. Diese organisieren ganz in der Nähe des Tagungsortes eine Gegenkonferenz vom 9. bis 11. Mai.

Die internationale Großkonferenz der ILO und IPEC in Den Haag stellt einen klaren Verstoß gegen das durch die UN-Kinderrechtskonvention etablierte Recht von Kindern dar, an allen sie betreffenden Entscheidungen angemessen beteiligt zu werden (Artikel 12).

Kinder dürfen nicht nur partizipieren - sie können es auch. Das haben sie schon bei unzähligen Treffen der Bewegungen arbeitender Kinder und Jugendlicher in Afrika, Asien und Lateinamerika bewiesen.

Die ILO (International Labour Organization), die mit ihrem Kinderarbeitsprogramm IPEC (International Programme on the Elimination of Child Labour) die Marschrichtung für die weltweite Politik gegen Kinderarbeit angibt, lädt zusammen mit der niederländischen Regierung am 10. und 11. Mai 2010 zu einer internationalen Großkonferenz in Den Haag (Niederlande) ein. Bei diesem Treffen soll es um die Ausarbeitung einer „roadmap“ bis 2016 gehen, d. h. eines Fahrplans, der eine gemeinsame Strategie aller wichtigen mit Kinderarbeit befassten staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen, Ministerien etc. koordinieren soll.

Auf der über 500 Personen zählenden Teilnahmeliste stehen zwar eine ganze Reihe illustrer Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und der einschlägigen NGO-Szene mit mehr oder weniger Bezug zum Thema Kinderarbeit, aber kein einziges arbeitendes Kind und auch keine jugendliche oder erwachsene Vertretung der Bewegungen arbeitender Kinder. Somit stellt diese Konferenz einen klaren Verstoß gegen das durch die UN-Kinderrechtskonvention etablierte Recht von Kindern dar, an allen sie betreffenden Entscheidungen angemessen beteiligt zu werden (Artikel 12).

Die ILO übergeht mit besorgniserregende Regelmäßigkeit sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse über die Konsequenzen ihres Lösungsansatzes als auch die Ansichten der betroffenen Kinder. Nachdem arbeitende Kinder im Jahr 1997 an einer ILO-Konferenz zur Vorbereitung der Konvention 182 gegen die schlimmsten Formen der Kinderarbeit teilnehmen durften, ihre Positionen und Forderungen aber auf heftige Ablehnung insbesondere der Gewerkschaftsvertreter_innen in der ILO stieß, ist die ILO wieder dazu übergegangen, eine Politik über die Köpfe der Betroffenen hinweg zu betreiben.

Dem gegenüber forderten die Bewegungen arbeitenden Kinder und Jugendlicher schon bei ihrem ersten Welttreffen in Kundapur in 1996:

„Wir wollen, dass die arbeitenden Kinder auf den großen Konferenzen gehört werden. Wenn 20 Minister zu einer Konferenz kommen, dann sollen auch 20 arbeitende Kinder da sein. Wir wollen mit den Ministern diskutieren, sie sollen nicht über unsere Köpfe hinweg über uns reden.“

So haben sich die Bewegungen arbeitender Kinder und Jugendlicher entschlossen, eine Gegenkonferenz einzuberufen, die ganz in der Nähe des Tagungsortes der ILO stattfinden wird. Auf diesem möchten sie gemeinsam mit den sie unterstützenden Erwachsenen darüber debattieren, wie sie auf die Strategien der ILO und IPEC antworten können. Delegierte aus Lateinamerika, Afrika und Asien möchten zusammen einen alternativen Aktionsplan erstellen. Die Erwachsenen Unterstützungsgruppen, zu denen auch ProNATs zählt, werden sich zu EUROPANATS zusammenschließen, um in Zukunft europaweit besser agieren zu können. Zum Abschluss der Gegenkonferenz wird es eine Pressekonferenz und -erklärung geben.

Die Lateinamerikanische Bewegung arbeitender Kinder und Jugendlicher, MOLACNATS, hat ihren Unmut über die Vorgehensweise der ILO und IPEC vorab schon in einer Presseerklärung geäußert. Mehrere Zusammenschlüsse von Wissenschaftler_innen aus sozialwissenschaftlichen Disziplinen ebenfalls. Sie können im Folgenden in mehreren Sprachen heruntergeladen werden.

Aktualisiert: 23.08.2016