ProNATs e.V. Verein zur Unterstützung arbeitender Kinder und Jugendlicher

Kinderbewegungen in Afrika

Einer der größten kontinentalen Zusammenschlüsse von Kinderbewegungen bildet die MAEJT/AMWCY, die 1994 ins Leben gerufen wurde und inzwischen 22 afrikanische Länder vernetzt. Die MAEJT/AMWCY formulierte 12 Rechte, dessen Umsetzung von zwei- bis dreijährlich stattfindenden Kontinentaltreffen begleitet wird.

Auslöser für die Entstehung der Afrikanischen Bewegung der arbeitenden Kinder und Jugendlichen war eine Aktion arbeitender Kinder am 1. Mai 1990 in Senegal. Dort hatten zahlreiche Kinder am Mai-Umzug mit Transparenten teilgenommen und anschließend eine Pressekonferenz veranstaltet. Sie fanden viel Zustimmung

Mit Unterstützung der NGO Enda Tiers Monde kam es im Juli 1994 in Bouaké (Elfenbeinküste) zu einem Treffen arbeitender Kinder und Jugendlicher (bis 18 Jahre) aus fünf westafrikanischen Ländern (Mali, Elfenbeinküste, Benin, Burkina Faso und Senegal). Als die Delegierten hier über ihre Erfahrungen sprachen und Lösungen für ihre Probleme suchten, kamen sie zu dem Schluss, eine gemeinsame Bewegung ins Leben zu rufen. MAEJT/AMWCY (Mouvement Africain des Enfants et Jeunes Travailleurs/African Movement of Working Children and Youth) wurde in der Folge zu einer vielbeachteten Stimme der arbeitenden Kinder und Jugendlichen Afrikas. Um ihre Forderungen mit einem einheitlichen Programm zu vertreten, formulierten sie 12 Rechte:

  1. Das Recht, ein Handwerk zu erlernen;
  2. Das Recht, im Dorf bleiben (und nicht abwandern zu müssen);
  3. Das Recht, die Arbeit in Sicherheit ausführen zu können;
  4. Das Recht, Anspruch auf rechtlichen Beistand und gerechte Justiz in Problemfällen zu haben;
  5. Das Recht auf Freistellung und Genesung bei einer Krankheit;
  6. Das Recht, respektiert zu werden;
  7. Das Recht angehört zu werden;
  8. Das Recht, auf eine leichte und begrenzte Arbeit (unserem Alter und unseren Fähigkeiten angepasst);
  9. Das Recht auf Erhaltung der Gesundheit;
  10. Das Recht, lesen und schreiben zu lernen;
  11. Das Recht, sich zu vergnügen und zu spielen;
  12. Das Recht, sich zu äußern und sich zu organisieren.

Seither fanden alle zwei bis drei Jahre weitere Treffen statt - zuletzt 2013 in Burkina Faso - auf denen überprüft wurde, wie weit die Rechte in den einzelnen Ländern erfüllt werden. Außerdem treffen sich jedes Jahr Delegierte der Vereinigungen der arbeitenden Kinder und Jugendlichen in ihrem Land, um die Schwierigkeiten bei der Durchsetzung der 12 Rechte zu besprechen. Es wurden Initiativen zur konkreten Umsetzung entwickelt, die von kleinen Projekten (Gesundheit, Alphabetisierung, Ausbildung, Rückkehr ins Dorf, etc.) ausgehen.

Neben der Stärkung der arbeitenden Kinder und ihrer Rechte ist es ein vorrangiges Ziel der Bewegung, in konkreten Aktionen gegen Missbrauch, Ausbeutung und Kinderhandel vorzugehen. Als Alternative zur ausbeuterischen Kinderarbeit haben mehrere regionale Assoziationen sogenannte „Einkommengenerierende Aktivitäten“ (Les Activités Génératrices des Revenus (AGP)) initiiert. Dies sind Tätigkeiten, bei denen in Eigenregie der Kinder und Jugendlichen und ihrer Assoziationen Produkte hergestellt oder Dienstleistungen erbracht werden, die dazu beitragen, den eigenen Lebensunterhalt und die Arbeit ihrer Organisation auf menschenwürdige Weise zu gewährleisten.

Mit Unterstützung der NGO Enda Tiers Monde führt die Bewegung eine umfassende Medienkampagne, die der afrikaweiten Vernetzung dienen, sowie die Bevölkerung über die Rechte der arbeitenden Kindern und Jugendlichen aufklären soll. Im Zuge dessen wird monatlich der elektronische Informationsdienst "Calao Express" veröffentlicht, der weltweit abboniert werden kann (s.u.).

MAEJT/AMWCY ist heute mit etwa 260.000 Mitgliedern in 22 afrikanischen Ländern vertreten: Angola, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Burundi, Demokratische Republik Kongo, Elfenbeinküste, Gambia, Guinea-Bissau, Guinea Conakry, Kamerun, Kenia, Madagaskar, Mali, Mauretanien, Niger, Nigeria, Ruanda, Senegal, Tschad, Togo, Zentralafrikanische Republik und Zimbabwe. MAEJT/AMWCY umfasst mehr als 1500 „Graswurzelgruppen“, lokale und regionale Zusammenschlüsse von Hausbediensteten und Kindern, die auf der Straße oder (teils als Lehrlinge) in Werkstätten arbeiten. Nicht immer wird den Assoziationen vor Ort die gewünschte politische oder juristische Anerkennung zuteil, oft stoßen sie auf Unverständnis und Ablehnung. Aber sie finden auch Unterstützung bei vielen NGOs, Kirchen und mitunter auch staatlichen Stellen.

Seit 1996 nehmen Delegierte der afrikanischen Bewegung auch an Treffen arbeitender Kinder und Jugendlicher in anderen Kontinenten teil, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Strategien zu entwickeln.

Weitere Informationen finden sich im von MAEJT herausgebenden Buch „Voice from African Children“ (1999) oder im Internet (s.u.).

Aktualisiert: 31.12.2016